Aus der Chronik der Sängervereinigung Mühlau

Mühlau - heute ein Stadtteil der Tiroler Landeshauptstadt Innsbruck - war bis 1938 eine selbständige Gemeinde, deren Gebiet sich vom linken Innufer bis weit über die Nordkette hinaus erstreckt. Zwei Lodenfabriken, eine Großbäckerei, eine Wollfabrik und die Mühle am Wurmbach prägten das Dorfbild.

Obwohl es zahlreiche Vereine in Mühlau gab, konnten die Sangesfreudigen ihrer Neigung nur im Kirchenchor oder bei Chören im nahen Innsbruck nachgehen.

So sammelten sich im April 1920 junge Mühlauer um Ferdinand CSAJKA und gründeten die Sängervereinigung Mühlau. Kurz darauf entschloss man sich den Männerchor durch Frauenstimmen zu erweitern. Doch die Zeit des gemischten Chores währte nicht lange, und es entstand daraus wieder ein Männerchor, der sich in der Folge der Pflege des Tiroler Volksliedes verschrieb.

Bald stellten sich musikalische Erfolge ein und so konnten neben vielen Auftritten in der engeren Heimat auch die Grenze überschritten werden, um das Tiroler Lied auch im Ausland erklingen zu lassen. Die folgenden Konzertreisen ins benachbarte Deutschland führten den Chor rheinaufwärts über Freiburg nach Düsseldorf, Gelsenkirchen und Dortmund bis hin zur Nordsee, wobei diese Reiselust mit der Teilnahme am Deutschen Sängerbundesfest 1937 in Breslau ihren vorläufigen Höhepunkt erreichte.

Nicht einmal die Wirren und Schwierigkeiten der Kriegs- und Nachkriegszeit konnten den Geist der Pflege und Hochhaltung des Tiroler Volksliedes brechen.

Ende 1947 konnte das verbliebene Häufchen von sechs Mann den heimkehrenden Sänger Franz STENGG begrüßen. Ihm gelang es in der Folge, den Verein mit beispiellosem Idealismus neu aufzubauen und vor allem die Jugend für die Erhaltung und Pflege des Volksliedes zu begeistern.

Dr. STEDILE, der Besitzer der Lodenfabrik Franz BAUR's Söhne, stellte in großzügiger Weise den Speisesaal seines Betriebes als Probelokal zur Verfügung und so wurde der Chor, sozusagen als Werkschor weitergeführt. Zum dreißigsten Gründungsfest konnte der Gesangverein im Jahr 1950 schließlich wieder seinen alten Namen "Sängervereinigung Mühlau" annehmen, und die Mühlauer waren, jetzt in neuer Tracht gekleidet, wieder hoch motiviert dem Gesang verschrieben.

1958 wurde mit Franz Josef Sigmund ein Chorleiter gefunden, der für den Volksliedchor geradezu geboren war. Seine 22-jährige Tätigkeit als musikalischer Leiter des Chores wurde von seinem Humor, seinem musikalischen "G'spür" und seinem Engagement für die Belange der Mühlauer bestimmt. Die Sängervereinigung Mühlau entwickelte sich unter ihm zum idealen Interpreten des Tiroler Volksliedes in der Heimat und fand mit ihrem Gesang allerorts begeisterte Aufnahme. Die Auftritte im gesamten deutschen Sprachraum, in Holland und Italien, die beiden Konzertreisen "Vom Fels zum Meer" und die Sonderkonzerte bei den Deutschen Sängerbundesfesten in Stuttgart und Essen hinterließen unvergessliche Eindrücke.

Zu einem Markstein in der Vereinsgeschichte gestaltete sich die im Jahr 1970 vom langjährigen Obmann STENGG ausgerichtete Festwoche anlässlich der 50-Jahr-Feier der Sängervereinigung Mühlau. Nach über 100 Auftritten und Konzerten der Gastvereine krönte der abschließende kilometerlange Festzug, der Tausende Sängerfreunde aus den benachbarten Ländern und aus Übersee vereinte, ein bisher nie erlebtes Sängerfest.

Im Jahre 1973 übernahm Dankmar KLONEG die Funktion des Obmannes und seinem unermüdlichen Bemühen ist es zu verdanken, dass die Mühlauer 1982 ein eigenes Vereinsheim im Neubau der Volksschule Mühlau beziehen konnten. Die ausgedehnten Konzertreisen in den 60er- und 70er-Jahren fanden ihren Höhepunkt, als die Sängervereinigung Mühlau erstmals zu Konzertreisen in die Vereinigten Staaten, nach Istanbul und nach Tunesien flog.

Der Mühlauer Sängerball, jahrzehntelang ein Schwerpunkt im Vereinsgeschehen und gleichzeitig ein unverzichtbarer Bestandteil des Innsbrucker Faschings, übersiedelte in das "Congress" in Innsbruck und galt vielfach als der gesellschaftliche Höhepunkt.

Von 1980 bis 2010 war Siegfried SINGER der musikalische Leiter, der auf Grund seines Fachwissens und durch konsequente Probenarbeit die Mühlauer Sänger weiter auf dem Weg zu hervorragenden Interpreten des alpenländischen Volksliedes führte. Seine tonschöpferische Tätigkeit war und ist reichhaltig und praxisbezogen. Neben vielen vokalen und instrumentalen Kompositionen verfasste er über 300 Chorsätze für alle Chorgattungen.
Neben der Pflege des überlieferten Tiroler Volksliedes war er immer wieder darauf bedacht, geistliche und anspruchsvolle weltliche Männerchorliteratur in die Programme mit einzubeziehen.

Die umsichtige und vorausplanende Vereinsführung durch den ab 1983 amtierenden Obmann Josef RUDIFERIA bot Gewähr dafür, dass die Sängervereinigung Mühlau auch im siebten Jahrzehnt ihres Bestehens das erfolgreiche Wirken fortsetzen konnte. Sein besonderes Anliegen war intern die Aufnahme von jungen Sängern, nach außen hin waren es die alljährlichen Konzerte und die Konzertreisen nach Finnland, Slowenien, zum Deutschen Sängerbundesfest in Köln und vor allem in die ehemalige DDR.

Nach Leonhard STEIGER, Matthias JENEWEIN, Stefan ZELGER und Manfred SIMMA ist nunmehr Martin TIRLER organisatorischer Leiter der Sängervereinigung.

Im Jahre 2010 übernahm Viktor SCHELLHORN von Siegfried SINGER nach 30 Jahren höchst erfolgreicher musikalischer Leitung die Chroleitung. Mit viel Freude und Elan und mit seinen neuen Interpretationen bringt er nun so manchen altgedienten Sänger in Schwitzen.

Die Mühlauer Sänger haben, getreu ihrem Motto "Tirolerisch in Sitt' und Brauch, ist unser Lied und Jodler drauf", nun durch Jahrzehnte wesentlich zur Pflege des überlieferten alpenländischen Volksliedes und des Liedes im Tiroler Volkston beigetragen.

(c) Rechte und Arbeit bei: Josef Rudiferia

 

 

 

 


Chorleiter der Sängervereinigung Mühlau

1920 bis 1929

Ferdinand CSAJKA (1894 bis 1954)

 
  gründet im April 1920 die Sängervereinigung Mühlau. Angeregt von Josef PÖLL schreibt er einige Chorsätze überlieferter Tiroler Gesänge und komponiert 51 heitere und besinnliche Lieder nach mundartlichen Texten heimischer Dichter.  
1929 bis 1939

Karl TONKRES (1885 bis 1967)

 
  pflegt die Gesänge im Tiroler Volkston von Josef PÖLL, Ferdinand CSAJKA und Artur KANETSCHEIDER.  
1946 bis 1948

Willi HOMOLKA (1915, lebt heute in Perfuchsberg bei Landeck)

 
  verfasst den Lied- und Gedichtband „Traumland Natur“ mit 15 seiner schönsten Lieder.  
1949 Hermann TANZER (1918 bis 1999, Bruder von Sepp Tanzer)  
1949

Anton RUMER (1900 bis 1972)

 
  von ihm stammt unser noch heute gesungenes Motto „Tirolerisch in Sitt’ und Brauch, ist unser Lied und Jodler drauf“.  
1949 bis 1953

Willi LÖSCHE (1903 bis 1976)

 
  mit viel Schwung und persönlichem Einsatz gelingt es ihm, an das musikalische Niveau der Vorkriegszeit anzuschließen.  
1953 bis 1957

Otto RÄDLER (1912 bis 1984)

 
  übernimmt als aktiver Sänger die vakante Chorleiterstelle und führt die Singtradition in erfolgreicher Weise fort.  
1958 bis 1980

Franz Josef SIGMUND (1916 bis 1985)

 
  erweitert das Repertoire durch Lieder seines Südtiroler Landsmannes Sepp THALER, durch eigene Chorsätze geistlicher und weltlicher Tiroler Lieder und durch eine Vielzahl selbstverfasster heiterer Mundartlieder. Erstmals erklingen unter Franz Josef Sigmund auch Lieder bekannter Komponisten aus verschiedenen Epochen der Musikgeschichte.  
1980 bis 2010

Siegfried SINGER (*1947)

 
  führt die Tradition der Pflege des überlieferten Tiroler Volksliedes, des Liedes im Tiroler Volkston und des „gefälligen“ Kunstliedes erfolgreich fort. Er komponiert auch mehrere Messen, einige Mundartlieder und schreibt über 300 Chorsätze von überlieferten geistlichen und weltlichen Gesängen.  
2010 bis heute Viktor Schellhorn
 
  Übernimmt die Chorleitung aus den bewährten Händen seines Vorgängers.  

(c) Rechte und Arbeit bei: Josef Rudiferia

 

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